Der Blick von Paco Manzano — Flamenco in Madrid (1986–2004)
Der Fotograf, der das goldene Zeitalter des Flamencos in Madrid dokumentierte
Paco Manzano (La Solana, Ciudad Real, 1955) kam zum Flamenco, ohne ihn zu suchen. Als Soziologiestudent in Madrid finanzierte er sein Studium mit dem Verkauf von Haarkosmetik an Friseure der Hauptstadt. Viele seiner Kunden beauftragten ihn mit Porträts für Modewettbewerbe, und so landete er fast zufällig dabei, Live-Musik für Fachzeitschriften zu fotografieren.
Was mit Folk und Liedermachern begann, führte unweigerlich zum Flamenco.
Ab Mitte der achtziger Jahre wurde Manzano zum rigeurosesten visuellen Chronisten einer Szene, die die offizielle Geschichtsschreibung bewusst ignorierte. Während die „movida madrileña“ Titelseiten und Subventionen monopolisierte, geschah im Colegio Mayor San Juan Evangelista, im Círculo de Bellas Artes und in den Garderoben des Teatro Alcalá Palace etwas anderes: Camarón, Paco de Lucía, Chocolate, Antonio Canales, El Cabrero und El Farruco bauten in Madrid das goldene Zeitalter des zeitgenössischen Flamencos auf.
Manzano fotografierte alles mit einem 36-Belichtungs-Film, der manchmal drei Konzerte abdeckte. Die Knappheit verlangte Präzision — der Auslöser wurde nur gedrückt, wenn Geste, Licht und Emotion des Künstlers den genauen Punkt erreichten. Das Ergebnis ist ein Archiv von mehr als 370.000 analogen Negativen, das das vollständigste visuelle Dokument jener Epoche darstellt.
Ein Teil dieses Archivs hängt heute an den Wänden von Cardamomo. Acht Werke. Acht unwiederholbare Momente.
Alle Bilder sind ausschließliches Eigentum von © Paco Manzano. Die Reproduktion ohne ausdrückliche Genehmigung des Autors ist untersagt.
1. Camarón de la Isla
San Juan Evangelista, Madrid, Januar 1990. Zwei Jahre vor seinem Tod. Das Foto, das die Carnegie Hall für die New York Times wählte.
2. Paco de Lucía
Backstage im Teatro Alcalá-Palace, Madrid, April 1987. Nicht auf der Bühne — in der Intimität der Garderobe. Das Foto, das es nicht geben sollte und das alles verändert.
3. Antonio Canales
Cumbre Flamenca Campanas, Barcelona, Februar 1988. Ein Mann allein auf der Bühne, den Hut geneigt, die Stille vor der Bewegung.
4. Antonio Núñez „Chocolate“
San Juan Evangelista, Madrid, Januar 2003. Das Triptychon der Faust, die den Duende sucht. 72 Jahre alt, singend als würde die Welt bei Tagesanbruch enden.
5. El Cabrero
Festival por Tarantos, Colegio San Juan Evangelista, Madrid, April 1996. Der breitkrempige Hut, die geballte Faust, die rebellische Stimme der andalusischen Landschaft in der Großstadt.
6. Rafael Romero „El Gallina“
Cumbre Flamenca, Círculo de Bellas Artes, Madrid, April 1987. Beide Hände offen vor dem Mikrofon. Die Grammatik des Cante: das Vorwort zu allem, was gleich geschehen wird.
7. El Güito
Noches Flamencas en Sabatini, Madrid, August 2004. Der Königspalast im Hintergrund, der Körper in Bewegung. Ein Tänzer, der tanzt, als gehörte ihm die ganze Stadt.
8. Mario Maya
Cumbre Flamenca 1986, Teatro Alcalá Palace, Madrid. Das Triptychon, das den Tanz analysiert — drei Momente derselben Bewegung, die den Flamenco für immer veränderten.