Camarón de la Isla — San Juan Evangelista, Madrid, 27. Januar 1990 · © Paco Manzano

 

 

Ein Foto, das die Carnegie Hall wählte

Als Paco Manzano in jener Januarnacht 1990 im Colegio Mayor San Juan Evangelista den Auslöser drückte, lebte Camarón de la Isla bereits seit zwei Jahren mit der Krankheit, die zwei Jahre später sein Leben beenden sollte. Er war 48 Jahre alt. Was das Objektiv einfing, ist kein posierender Künstler — es ist ein konzentrierter, stiller Mann, die Hände über den Knien gefaltet und die Ringe auf den Knöcheln glänzend, der auf einen Punkt außerhalb des Bildrahmens blickt, den nur er sehen konnte.

Das San Juan Evangelista war zu dieser Zeit der wichtigste Ort des universitären Flamencos in Madrid. Es war weder ein Tablao noch ein herkömmliches Theater — es war ein Studentenwohnheim, wo die anspruchsvollsten Flamenco-Liebhaber der Hauptstadt kamen, um reinen, kompromisslosen Flamenco zu hören. Dass Camarón dort 1990 auftrat, war ein fast liturgisches Ereignis.

Paco Manzano porträtierte ihn ohne Kunstgriffe. Kein Bühnenrauch, keine spektakuläre Beleuchtung. Nur das vorhandene Licht, der graue Anzug, das lockige Haar und dieser Ausdruck von jemandem, der das Gewicht der Welt in seiner Stimme trägt. Nach Camaróns Tod 1992 wählte die Carnegie Hall in New York eine Fotografie von Manzano, um den offiziellen Nachruf in der New York Times zu illustrieren.

Dieses Foto hängt heute an den Wänden von Cardamomo. Wenn Sie hier sind, dann weil Sie es im Saal gesehen haben. Jetzt wissen Sie, was in jener Nacht geschah.

Kaufe Tickets für die beste Flamenco-Show in Madrid.